Zur Geschichte der Langen Brücke in Ratzeburg 

 

Mit dem aktuellen Brückenbauprojekt wird der Zugang von Osten zur Ratzeburger Stadtinsel entscheidend verändert. Diese Verbindung stellte für die Stadt immer eine besondere Herausforderung dar.

Über Jahrhunderte verband nur eine hölzerne Brücke die Insel mit dem östlichen Ufer des Sees. Genau genommen waren es im 14. Jahrhundert sogar zwei Brücken, die von der Insel nach Osten führten. 1322 werden beide Brücken erstmalig in einer Urkunde gemeinsam erwähnt. Die ältere dieser beiden Brücken, die in Richtung Dermin lief, wird wohl bald nach dieser urkundlichen Erwähnung abgebrochen oder verfallen sein.
Jedenfalls blieb allein die nördlichere neuere Brücke erhalten, die ungefähr dort das Ostufer erreichte, wo heute der Bäker Weg beginnt.

 Der Aufwand, die lange Holzbrücke zu unterhalten, war immens. Die Passage mit Frachtwagen dürfte auf dieser alten Brücke schwierig, wenn nicht gar unmöglich gewesen sein. Erst 1588 wurde der Bau einer neuen Brücke beschlossen, die so breit sein sollte, dass „man [darüber] mit Wagen und Pferden fahren“ konnte. 1590 wurde der erste Pfahl für dieses Bauwerk eingerammt, am 24. Juli 1591 rollte der erste Wagen über die neue Brücke.
Der Landesherr hatte sich mit beträchtlichen Holzlieferungen am Bau beteiligt und mit Hinweis auf die wirtschaftliche Bedeutung einer solchen Brückenverbindung wurden auch Zuschüsse benachbarter Fürsten eingeworben.

Die Ratzeburger waren stolz auf ihre Brücke, die 600 Schritt (ca. 450 Meter) lang war und in den jährlichen Kämmereirechnungen als Eigentum der Stadt aufgeführt wurde. Die Brücke hatte zwei Klappen, die aufgezogen werden konnten, um damit die Überfahrt zu verhindern bzw. um den Schiffsverkehr durchzulassen.

Um die laufende Unterhaltung zu finanzieren, wurde ein Brückengeld kassiert, das für Fuhrwerke und Reitpferde, nicht aber für Fußgänger zu zahlen war. Wer die Brücke häufig nutzte, zahlte eine Jahressumme für die Passage. So hielten es auch die Postlinien aus Schwerin und Wismar.
Der Brückengeldeinnehmer, der ein genaues Heberegister führte, hatte seine Dienstwohnung am stadtseitigen Ende der Brücke. Die „Freiheit von allen bürgerlichen Unpflichten, Steuern und Einquartierungen, das beschauliche Geborgensein in dem Häuschen vor dem Tor“ ließen den Posten äußerst begehrenswert erscheinen.

„Zum Brückengeldeinnehmer wurde immer ein Mann genommen, dessen Treue man sich versichert wusste, der auch nicht eben verarmt und für seinen Lebensunterhalt ‚für sich noch etwas beizuschießen’ hatte. Man hielt ferner darauf, dass mit diesem Posten ‚ein meritierter und feiner Bürger betraut wurde, der sich auch gegen reisende Leute, sie seien hohen oder niedrigen Standes, dergestalt komportieren würde, dass deswegen keine Klage werde zu verspüren sein.“ So beschreibt es Wilhelm Prillwitz in der „Lauenburgischen Heimat“ (Heft 49 / 50, S. 29)

Ein Ratzeburger Zimmermeister fungierte als „Brückenmacher“ – er war zuständig für Aufsicht und Reparaturen an der Holzbrücke. Trotz dieser Aufsicht ereignete sich im Januar 1736 ein schweres Unglück: Ein mit zwei Pferden bespannter und mit 6 Malzsäcken beladener Wagen verschwand in der Tiefe, als ein Teil der Brücke einstürzte.
Nach notdürftigen Reparaturen wurde 1752 mit einem Neubau begonnen, der 1757 fertig gestellt war. Nach Beschädigungen durch die napoleonischen Truppen (1813) musste die Brücke erneut repariert werden.

Als man in dänischer Zeit eine moderne Chaussee zwischen Hamburg und Schwerin plante, war für eine Holzbrücke kein Platz mehr. Die Brücke wurde durch einen Damm ersetzt, an dem von 1842 bis 1847 gebaut wurde. Am 30. April 1847 werden die Bohlen und Balken der alten Brücke öffentlich versteigert.
Ein Teil der alten Holzpfähle der Brücke befindet sich allerdings noch heute nördlich des Königsdamms im Wasser.

Hans Mau schreibt über den Dammbau in seinem „Häuserbuch“: „Die zur Aufschüttung des Dammes erforderlichen Erdmassen wurden dem Gelände der heutigen oberen Jägerstraße entnommen. In dem dadurch entstandenen sogenannten „Kessel“ wurde vom Turnverein ein Sportplatz und von der Feuerwehr ein Schlauchturm errichtet. Auch wurde der Platz für Aufmärsche und Kundgebungen fleißig genutzt. Durch die durch den Bau der Below-Kaserne freiwerdenden Erdmassen wurde der Kessel aufgefüllt und die jetzige Jägerstraße konnte gebaut werden. In den Jahren 1950-1952 wurden von dem damaligen Stadtbaumeister G. Kastl am Nord- und Südufer des Dammes Fußwege angelegt, welches sehr zur Verschönerung des Dammes beiträgt.“

Als der dänische König Frederik VII. am 1. November 1854 die Stadt Ratzeburg besuchte, erhielt der Damm den Namen „Königsdamm“.

 
 
 

 

 
 
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